Nachhaltigkeitsstrategie im Geschäftskonzept

Svetlana Thallar Honold, Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements bei der Gothaer, verdeutlicht im Interview warum ein Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie braucht und was diese unter anderem auch alles beinhalten kann. Außerdem erläutert (Thallar) Honold konkrete Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie der Gothaer.

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Warum braucht man eine Nachhaltigkeitsstrategie?


Es wurde lange Zeit nur von den Unternehmen erwartet, dass Sie ihre Geschäfte erledigen und vor allem Gewinn machen. In den 19er Jahren kam dann langsam die Frage nach sozialer Verantwortung von Unternehmen auf – damals vor allem unter Corporate Social Responsibility bekannt. Dabei ging es darum zu gucken, wie sich das Unternehmen neben dem Kerngeschäft in der Gesellschaft verhält. Das Ganze hat sich nun in den letzten Jahren zum Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt. Dabei geht es nicht nur um einzelne Projekte die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen, sondern um die Integration eines Nachhaltigkeitskonzeptes in das gesamte Geschäftskonzept.

Wer sagt denn, dass wir eine Nachhaltigkeitsstrategie brauchen?


Das erwartet einfach die Gesellschaft von uns, also der Kunde, die Politik, der „normale“ Mensch auf der Straße. Die Stimmung hat sich einfach verändert und somit eben auch die Erwartungen an ein Unternehmen.

Was würde passieren, wenn wir nun keine Nachhaltigkeitsstrategie hätten? Was wäre denn dann die Konsequenz?


Dann würde Nachhaltigkeit beliebig werden. Um dem entgegenzuwirken hat man eben eine Strategie, um zu sagen „dahin wollen wir, dahin müssen wir gehen und diese Ziele wollen wir erreichen“. Damit schaffe Ich zum einen viel Transparenz, aber eben auch die Möglichkeit selbst seine eigenen Ziele zu setzen und zu überprüfen. Das heißt konkret, dass man eine Verbindlichkeit nach innen und nach außen schafft. Die Mitarbeitenden müssen wissen wohin es geht, damit Sie sich auch dementsprechend verhalten und ihre Arbeitsweise anpassen können.

Wie weit entwickelt ist das Nachhaltigkeitsmanagement bei Gothaer?


Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir kein beliebiges Nachhaltigkeitsmanagement machen, sondern wirklich Nachhaltigkeit in der Gothaer strukturell verankern wollen und haben im Jahr 2020 begonnen, dass Nachhaltigkeitsmanagement systematisch aufzusetzen.
Zu Beginn haben wir dann ganz klassisch eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt, das heißt wir haben intern bewertet und auch mit externen Stakeholdern abgeglichen, welche Erwartungen Sie an Nachhaltigkeit bei Gothaer haben. Das betraf vor allem die Pflege des Kerngeschäftes: Kapitalanlagen und die Versicherungsprodukte. Darüber hinaus wurde die Glaubhaftigkeit betont – also, dass man das was man nach außen hin kommuniziert auch selbst umsetzt wie beispielweise einen eigenen ressourcen-und klimaschonenden Betrieb; fairer und verantwortungsvoller Umgang mit den Mitarbeitenden und natürlich mit den Kunden.
Außerdem sind selbstverständlich auch Themen wie gemeinnützige Stiftungen relevant. Aber vor allem geht es in unserem Nachhaltigkeitsmanagement um das Kerngeschäft, also konkret um Versicherungsprodukte und Kapitalanlagen. Die Gothaer hat ein Volumen von 34 Milliarden Euro an Investitionen – dabei geht es dann natürlich um die Frage "Wo investiert man rein?“.

Was steht denn dann in der Nachhaltigkeitsstrategie drin? Die "Kapitalanlage soll grüner werden“?


Die Ziele, die wir in der Nachhaltigkeitsstrategie festgehalten haben, sind in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele unterteilt. Das langfristige Ziel das wir haben ist, dass wir bis 2050 in der gesamten Kapitalanlage klimaneutral werden wollen. Das klingt erstmal nach einem langen Zeitraum, aber gleichzeitig investieren wir ja auch in die Realwirtschaft, welche sich ja auch in der gleichen Zeit in Richtung Klimaneutralität bewegen muss. Wir können dabei aber schon einen forcierten Weg gehen, indem wir zum Beispiel den Kohleausstieg in unserer eigenen Kapitalanlage selbst vollziehen. Wir können aber auch mit Unternehmen oder auf Unternehmen hinwirken ihr eigenes Geschäftsmodell nachhaltiger zu gestalten. Das sind dann die Hebel die wir in der Kapitalanlage haben.

Was habt ihr noch grundsätzlich auf der Liste stehen? Was sind so die kurzfristigen oder mittelfristigen Themen innerhalb der Nachhaltigkeitsstrategie?


Wir haben natürlich auch Ziele für unsere Produkte und Services, zum Beispiel wollen wir in allen unseren Sparten nachhaltigkeitsfördernde Deckungsbausteine miteinbeziehen. Das bedeutet konkret, dass wir beispielsweise in eine Wohngebäudeversicherung Photovoltaikanlagen mitversichern, damit unsere Kunden in der Lage sind ein nachhaltiges Leben zu führen und dafür eben auch den Versicherungsschutz haben.
Wir haben aber auch Ziele im eigenen Geschäftsbetrieb. Wir sind jetzt schon rechnerisch klimaneutral, wollen aber natürlich auch unsere Emissionen reduzieren. Für alle diese Themen haben wir verbindliche Ziele, die mit Jahreszahlen und bestimmten Zielwerten hinterlegt sind und genau das haben wir in einem langen, intensiven Prozess mit allen Fachbereichen entwickelt. Dieser Prozess war natürlich nicht immer einfach, da man sich nun nach so langer Zeit vom gewohnten Handeln verabschieden muss. Da ist viel Überzeugungsarbeit nötig, damit man den Mitarbeitenden zeigt, dass es sich rentiert sein gewohntes Handeln zu überdenken und beispielsweise neue Arbeitsweisen auszuprobieren.

Was passiert denn, wenn einer der Bereiche, Abteilungen etc. eins dieser Ziele nicht erreicht? Gibt es dann Konsequenzen?


Wir haben in der Tat ein ESG Board eingeführt. Da sind alle Mitglieder des Vorstandes, das Team aus dem Nachhaltigkeitsmanagement und ein Mitarbeiter aus der Konzernentwicklung mit eingebunden. Wir sind zum Beispiel gerade dabei, Nachhaltigkeit auch in den Konzernbonus zu integrieren und der gilt für alle leitenden Angestellten. Wir suchen derzeit die wichtigsten KPIs aus der Nachhaltigkeitsstrategie heraus, um dann einen komplexen Indikator zu bilden, damit tatsächlich dann alle leitenden Angestellten von der Erreichung auch Ihre Vergütung abhängen wird. Außerdem sind wir aktuell dabei ein E-Learning für Nachhaltigkeit für alle Mitarbeitenden zu entwickeln.

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