Die Bilder des Sommers zeigen: Wetterextreme wie Starkregen, Überschwemmungen und Fluten haben auch Deutschland erreicht und führen zu Katastrophen für Mensch und Umwelt. Was tun? Im "Fachausschuss Naturgefahren" der Gothaer wird an Lösungen gearbeitet, das Risiko für den Einzelnen zu mindern und rechtzeitig vorzusorgen.
Von Cornelia Heim
Der Klimawandel hat Deutschland erreicht: Elb-Hochwasser 2002, Hagelstürme im Schwarzwald 2006. Und kaum, dass der durchtränkte Sommer 2007 mit schwimmenden Zelten, aufgeweichten Camping-Plätzen und fliegenden Sonnenschirmen überstanden ist, fegen die Herbststürme übers Land und bringen Regen und Überschwemmungen. Das Horror-Szenario der Wirklichkeit zeigt: Starkregen, Überschwemmungen und Flutungen suchen immer öfter auch die klimatisch eigentlich gemäßigten, deutschen Regionen heim. Und die Wetterextreme - von Dürre und Hitze zu Stürmen und Fluten - führen zu Katastrophen für Mensch und Umwelt.
Die dringende Frage, wie sich jeder Einzelne von uns in Zukunft vor diesen meteorologischen Bedrohungen schützen kann, betrifft im Kern vor allem eine Branche, deren vordringliche Aufgabe es ist, unser Leben sicher zu machen: die Versicherungen, die mit immer mehr Schäden zu rechnen haben. Die Gothaer hat deshalb schon jetzt einen "Fachausschuss Naturgefahren" (FAN) gebildet, der sich einzig und allein mit der Frage beschäftigt: Naturkatastrophen - wie können wir uns retten?
Geleitet wird der Ausschuss von dem Naturwissenschaftler Dr. Matthias Land, 40, von Haus aus Mathematiker. Der Experte weiß, dass die Bedeutung seines Jobs in Zukunft immer wichtiger sein wird - leider. Land: "Die Häufigkeit und Schwere von Extremunwettern wird in den nächsten Jahrzehnten auch in Mitteleuropa deutlich zunehmen."
Die Tendenz zum extremen Wetter ist stark steigend: 50 große Wetterkatastrophen wurden in der Dekade 1950 bis 1959 gezählt. Von 1997 bis ins Jahr 2006, also nur 50 Jahre später, hat sich die Zahl weltweit auf 446 verneunfacht, die versicherten Schäden kletterten in diesem Zeitraum von 1,5 Milliarden US-Dollar in den Fünfzigern auf heute 178,3 Milliarden. Waren in den 70er Jahren 700 Millionen Menschen von Naturkatastrophen betroffen, stieg die Zahl der Wetter-Opfer in den 90ern auf zwei Milliarden. Weltweit starben im vergleichsweise noch "harmlosen" Jahr 2006 rund 18.000 Menschen bei Naturereignissen.
Sir Nicholas Stern, ehemaliger Chefvolkswirt und Vizepräsident der Weltbank, prognostiziert, dass sich bis Mitte des Jahrhunderts der jährliche Verlust auf fünf, wenn nicht sogar 20 Prozent des weltweiten Wachstums beziffern wird. Das hieße: Folgen der Wetterkapriolen verschlängen jährlich 2.200 bis 9.000 Milliarden US-Dollar des Weltsozialprodukts.
Die versicherten Schäden aus großen Wetterkatastrophen nahmen in Deutschland seit 1960 auf das 26-fache zu; die volkswirtschaftlichen Schäden auf das 7-fache. Dr. Matthias Land weiß um die Folgen. "Früher", so sagt der Naturkatastrophen-Beauftragte, "haben sich allein Meteorologen und Geologen mit Naturereignissen beschäftigt, und die Tarifierung von Versicherungsprämien wurde rückwärtsgewandt an den Geschehnissen aus der Vergangenheit bemessen." Heute indes brauche man Mathematiker, Produktmanager und Rückversicherungsspezialisten, die gemeinsam in Klimamodellen die kostenträchtige Zukunft greifbar machten. Das bedeutet: Der Blick in die Vergangenheit ist nicht mehr entscheidend; wichtiger ist der Blick in die Zukunft. In der Einschätzung der Risiken aus Naturkatastrophen arbeitet die Gothaer deshalb mit externen Firmen und renommierten Klimaexperten wie RMS (risk management solutions) oder Equecat zusammen.
Die Aussichten für die nächsten Jahrzehnte sind nicht rosig. In den nächsten 30 Jahren wird sich die Erde um 0,75 Grad erwärmen, selbst bei Reduzierungen des Kohlendioxid-Ausstoßes sei dieser Prozess nicht umzukehren, alldieweil das Klima träge sei und nur mit Zeitverzögerung reagiere. Das bedeutet: Auch bei uns wird die Niederschlagsmenge und -intensität zunehmen, während es in den Tropen und Subtropen immer weniger regnen wird. Die Folgen: Noch mehr Hochwasser, Regengüsse, die Flüsse übertreten lassen. Noch mehr Opfer. Noch mehr Schäden.
"Diese Mehrbelastungen kann ein Versicherungsunternehmen nicht alleine tragen", sagt Dr. Land. Versicherungsprofile für Gebäude-, Hausrat-, aber auch gewerbliche Versicherungen werden sich ändern. Künftig werde deshalb beispielsweise vorausschauender gebaut und rechtzeitiger vorgesorgt werden müssen. Schon heute wird es beispielsweise für viele Versicherungsunternehmen immer schwieriger, Immobilien für die so genannte Überschwemmungs-Zone 4 zu versichern. Diese Zone umfasst Grundstücke an Flussläufen, in denen es alle zehn Jahre zu einer Überschwemmung kommt. Dr. Land rät: "Suchen Sie sich die Baugründe auch unter dem Gesichtspunkt der Gefährdung durch Überschwemmungen aus." So, wie man etwa sein Haus oder seine Wohnung vor Einbrechern sichert, werde man in Zukunft auch darauf achten müssen, dass ein Haus sicher gegen extreme Wetterbedingungen ist.
Wie Sie sich schon jetzt schützen können, verraten die untenstehenden 7 Tipps. Denn leider ist es erfahrungsgemäß so, dass Maßnahmen weit voraus getroffen werden sollten. Tritt der Notfall ein, dann gilt nur noch, persönliche Wertgegenstände, High-Tech-Geräte, Schmuck, Kunstwerke etc. in obere Stockwerke zu bringen.
Einen wichtigen Tipp kann Dr. Land noch geben: "Unsere Kunden können sich über den Einschluss einer erweiterten Elementarschadenversicherung in ihre Gebäudeversicherung gegen derartige Risiken absichern."
Bauen Sie außerhalb von hochwassergefährdeten Gebieten. |
Wenn das nicht geht, wählen Sie die richtigen Baustoffe. Wasseraufnahmefähige Materialien wie Gips, Gasbeton oder Hochlochziegel sind nicht zu empfehlen. |
Verzichten Sie auf einen Keller oder errichten Sie ein Gebäude auf Stützen. |
Gebäude durch Abdichtung trocken halten! In Frage kommen eine Dichtung von außen durch Bitumen oder Kunststoff sowie auch die Fertigung der Außenwände als geschlossene Wanne aus wasserundurchlässigem Beton. |
Neben den Abdichtungsmaßnahmen kann das Wasser auch durch Wassersperren abgehalten werden, zum Beispiel Mauern. |
Heizungsanlagen sollten ebenso wie elektrische Installationen (Stromverteilerkästen) in den Obergeschossen hochwassersicher installiert werden, in unteren Geschossen hoch über dem Fußboden. Die betreffenden Stromkreisläufe müssen getrennt gesichert werden. |
Heizöltanks sind so abzusichern, dass kein Wasser eindringen kann. |
| Die Highlights der Sicherheitspakete: |
| Gegen Sturm- und Hagelschäden: Gothaer Heim und Haus . In der Top-Variante inklusive Beseitigung umgestürzter Bäume. |
| Bei Einschluss weiterer Elementarschäden Schutz vor den Folgen von Überschwemmungen, Erdbeben und Schnee. |