Eigentlich war es ein frustrierendes Erlebnis. Schönes Wetter, drei Bft. und Sonnenschein - ein perfekter Segeltag für die 58 Yachten beim Start um 14.10 Uhr - und wir segelten nach zwei Stunden Begleitfahrt wieder in Richtung Newport-Hafen.
Mit Teilung der Klassen hat die Wettfahrtleitung wahrlich keine gute Hand bewiesen. Denn nur noch fuenf Yachten, uns eingeschlossen, werden am nächsten Samstag auf die Reise gehen.
Nicht dabei in der Gruppe der Grossen die 66 Fuß grosse
"Zaraffa", ein sehr schnelles und mit Profis besetztes Schiff der jüngsten Racergeneration. Für uns wäre sie eine gute Gegnerin nach berechneter Zeit, für die Yachten der ersten Startgruppe aber ist sie eher ein Ärgernis. Was uns bleibt, sind die letzten Vorbereitungen zu erledigen und auf den Racetracker im YACHT-Netz zu schauen, wie sich die Flotte bewegt und sich das Wetter entwickelt. Erstes Schiff im Ziel zu werden, können wir uns wohl abschminken, denn
"Zaraffa", die bereits nach einer halben Stunde Segelzeit fast zehn Minuten Vorsprung herausgesegelt hatte, werden wir in Cuxhaven wohl nicht mehr zu sehen bekommen. Natürlich hoffen wir auf das
Unmögliche und perfektes Wetter.
Auf der "Uca" haben wir noch jede Menge Arbeit. Ein Schiff wird niemals fertig, man muss einfach ein Ende bestimmen. Unser Zeitplan sieht vor, dass am Mittwoch, den 18. Juni, das Schiff segelfertig ist.
"Keine Schraubenzieher mehr an Deck, allenfalls noch Tape", so die Devise. Seit dem vergangenen November, kurz nach dem Stapellauf, wird gebastelt, verbessert, ausgewechselt, wieder verbessert. Jetzt soll Schluss sein. Letztes und wesentliches Detail ist die Notruderanlage, die noch an den Spiegel geschraubt werden muss. Eigentlich sollte sie bereits im Januar angebaut worden sein. Aber wie gesagt, verbessern, neue
Ideen und wieder verbessern.
Jetzt werden die Segel vorbereitet, alle Latten eingenäht, damit sie beim Segelwechsel oder beim Reffen nicht herausfallen. Es müssen neue Fallen eingezogen und markiert werden, das alte Material ist seit dem November im Einsatz. Dasc neue Tauwerk wurde von Hersteller Liros extra entwickelt, unsere Erfahrungen über Abrieb und Haltefähigkeit der Mäntel auf den Windentrommeln sind eingeflossen. Das Paket von 220 Kilo Gewicht liegt immer noch in Boston im
Zoll. Auch die Kommunikation beginnt wieder zu laufen. In der Woche vor der Überführung von Palma nach Newport wurde in der abgesperrten Marina ins Schiff eingebrochen und die Computer haben einen neuen Besitzer gefunden. Vermutlich wohl ein organisierter Beschaffungsauftrag. Glücklicherweise sind die Segeldaten, die wir im dreimonatigen Training gesamnmelt haben, noch auf einem Laptop
vorhanden.
Über Newport herrscht heute Nebel und leichter Wind. Unser Navigator Juan Vila beginnt erst jetzt mit seinen Vorbereitungen. Er beobachtet das Wetter und macht Prognosen, die er jeden Morgen an den Container
hängt.
Dreimal werden wir noch segeln, vielleicht gemeinsam mit der ex
"MorningGlory" vom SAP-Vorstand Hasso Plattner, die von der neugegründeten Hamburg-Schleswig-Holsteinischen Landesbank gechartert wurde. Wir liegen
nebeneinander neben der "SHS-Landesbank", und die meisten Mitglieder der Mannschaften kennen sich, haben schon oft mit-, aber auch gegeneinander gesegelt. Mit "Morning Glory" versprechen wir uns ein schönes Duell auf dem Atlantik. Von der etwas größeren amerikanischen
"Zephyrus" haben wir noch nichts gesehen. Sie darf 18 Stunden schneller segeln auf der Distanz von 3600
Seemeilen.
Eine echte Herausforderung.
Wir setzen auf gute Wetterberatung und perfekte Kursvorschlaege von Navigator Juan Vila. Der Mann ist gelassen - ein Profi, von dem man viel lernen kann. Mit drei Rund-um-die-Welt- Regatten und ebenso vielen
America's-Cup-Projekten auf dem Buckel kann man dem nichts vormachen. Er hat seine Quellen, die er irgendwo auf der Welt mit seinem Rechner anzapft und nebenbei löst Vila jedes Elektronik Problem in
wenigen Minuten.
Alle drei Wachführer, neben mir noch Tim Kroeger und Bootsmann Steffen Mueller, bekommen täglich ein Email mit Wetterprognosen vom Vila-Kollegen Chris Bedford aus den USA, einem Wetterspezialisten, der uns von Land aus auf der Überfahrt mit Informationen unterstützt. Jetzt beginnen wir gemeinsam bis zum Start eine erste Stragtegie zu entwickeln. Irgendwie müssen wir uns ja gegen die schnellere
"Zephyrus" zur Wehr setzen.
Während die Crew hier ihre tägliche Arbeitslisten abspult, die morgens um 8.30 Uhr am Werkstatt-Container ausgegegeben werden, läuft im Hintergrund bereits die Taktik auf dem ersten Teilstück in
Richtung "point alpha".
Donnerstag wird das Schiff eingeräumt, inklusive der persönlichen Ausrüstung, die sich auf den Inhalt eines kleinen Rucksacks beschränkt. Freitag ist frei. Dann geht es endlich los.
Jörn Bock
Serviceteam Wassersport
Für Bootseigner
Tel: 0551 701-54288
Fax: 0551 701-964288
Serviceteam Reise
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Fax: 0551 701-964287