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Abschalten total - himmlischer Urlaub im Kloster

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Nonnen gehören ins Mittelalter - oder vielleicht noch auf die Leinwand. Alte Jungfern, denen das Leben keine Chance bot. Schwarze Kutten und kahlgeschorene Köpfe unter Schleiern: Welche Frau würde sich heute noch freiwillig so kleiden, ihr Dasein in Abgeschiedenheit fristen? Ich lernte sie kennen - verbrachte vier Tage im Ursulinenkloster in Duderstadt.

Eine Frau mit kurzen Haaren, kariertem Hemd und blauem Rock begrüßt mich: Schwester Ignatia (55). War wohl nichts mit Kutten. Sie zeigt mir ihr Reich. Die Hauskapelle, die Bibliothek, den Paradiesgarten. Die Räume sind hell und groß, nichts wirkt düster und bedrohlich. Fast bin ich enttäuscht. Uns begegnen Schwestern - endlich auch in Kutten - die mich gut gelaunt und freundlich anlächeln. Wo sind die verhärmten Jungfern? Zum Schluss führt mich Schwester Ignatia in mein Zimmer. Mir rutscht heraus: "Es ist hier ja so still." "Das ist ja auch der Sinn der Sache", sagt sie und verschwindet.

Verloren sitze ich in meinem Zimmer, blättere pflichtschuldig in der Bibel, die auf meinem Nachttisch liegt. Schnell langweilt sie mich. Wie spät ist es eigentlich? Erst 16.30 Uhr. Die Zeit scheint hier stehen zu bleiben. Endlich 17.45 Uhr: Vesper-Gebete in der Hauskapelle. Jetzt passiert wenigstens was. Die Psalme sind mir fremd. Die andächtige Stimmung ist mir peinlich. Später erzähle ich das Schwester Ignatia. Ihre Antwort: "Glauben Sie etwa, ich könnte hinter diesen Psalmen stehen? Manche kommen mir bis heute, nach 40 Jahren, nicht über die Lippen. Ich denke oft an etwas anderes." Ihre Offenheit erstaunt mich, erwartet hatte ich sie nicht.

Nach dem Abendessen gehe ich auf mein Zimmer. Ich bin todmüde und schlafe bald ein. Um 7.30 Uhr läutet es zum Morgengebet. Langsam beginne ich, die Schönheit der Hauskapelle zu genießen. Der lichtdurchflutete Raum wirkt beruhigend auf mich. Am nächsten Morgen sitze ich vormittags allein in der Hauskapelle.

Ich fühle mich inzwischen wohl in der Klostergemeinschaft und habe mich an den Tagesablauf gewöhnt. Vor und nach den drei Mahlzeiten wird gebetet, einmal am Tag gibt es eine richtige Messe. Die Lebensgeschichten einiger Schwestern gehen mir durch den Kopf. Alle haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Bereut hätten sie ihren Schritt nie, sagen sie. Ihre Glaubensstärke imponiert mir. Gibt es in meinem Leben etwas, dessen ich mir so sicher wäre?
"Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden", sagt die Oberin, Schwester Genoveva (69). Nach dieser Überzeugung leben die Nonnen. Sie versuchen nicht, Ungläubige - wie mich! - zu bekehren. Eigentlich bin eher ich diejenige, die sie von ihrem Weg abbringen will ...

Am nächsten Tag geht es wieder nach Hause. Schwester Ignatia sehe ich noch im Rückspiegel, dann biege ich um die Ecke - und das Kloster ist verschwunden. Die Welt hat mich wieder! An Gott glaube ich noch immer nicht, aber eines weiß ich jetzt: Auch hinter Klostermauern ist ein erfülltes Leben möglich. Die Frauen dort sehen die Welt nur ein wenig anders.

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