
Hinter den Kulissen der hitzigen Debatte um die Erhöhung des Renteneintrittsalters verbergen sich überraschende Unterschiede. So antworten 44 Prozent der Deutschen in einer repräsentativen Studie der Gothaer, durchgeführt von Forsa, dass sie sich die beschlossene längere Lebensarbeitszeit bis 67 Jahre durchaus vorstellen können. 41 Prozent wollen sogar als Rentner weiterjobben.
Über 60 Prozent der Selbstständigen und die Hälfte der Beamten haben kein Problem mit der Rente ab 67. Hingegen tun sich fast Dreiviertel der Arbeiter schwer damit. Das Ergebnis ist nachvollziehbar. Vor allem vor dem Hintergrund, dass heute schon jeder dritte Arbeiter beispielsweise aufgrund der höheren körperlichen Belastung früher in Rente geht oder berufsunfähig wird. Bei den Angestellten ist es jeder fünfte.
Darüber hinaus lässt sich ein Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und der Bereitschaft bis 67 und darüber hinaus zu arbeiten feststellen. So bejaht über die Hälfte der Abiturienten bzw. Studierten die längere Lebensarbeitszeit. Hingegen können sich dies nur 30 Prozent der Hauptschüler vorstellen.
Darüber hinaus ergab die Studie, dass 41 Prozent sogar als Rentner weiterarbeiten wollen. Die Hälfte von ihnen wünscht, als Berater im jetzigen Beruf weiter tätig zu sein. Offensichtlich ist der Wunsch groß, Erfahrung und Wissen an jüngere Kollegen weiterzugeben. Weniger gefragt sind gering qualifizierte Jobs wie Haushalts- oder Gartenhilfe, Pförtner, Hausmeister, Nachtwächter oder Kassierer.
Länger arbeiten oder nicht - wer seinen Lebensstandard im Ruhestand halten will, sollte erst schauen, wie viel Rente er vom Gesetzgeber zu erwarten hat und wie hoch die Lücke zwischen Nettoeinkommen und der ausgezahlten Rente sein wird. Er kann dies über den Rentenlücken-Rechner der Gothaer abschätzen oder mit Hilfe des jährlichen Bescheids der Bundesanstalt für Angestellte selbst ausrechnen. Interessantes Studienergebnis: Über 20 Prozent der Befragten kennen den Begriff Rentenentgeltpunkte - den Schlüsselfaktor zur Bestimmung der eigenen Rentenhöhe - überhaupt nicht. Mehr als 60 Prozent wissen nicht, wie viele Rentenentgeltpunkte sie haben.
Es empfiehlt sich zu prüfen, welche Altersvorsorge in Frage kommt. Denn gerade in jungen Jahren kann mit wenig Geld eine erträgliche Summe für das Alter angespart werden, sei es beispielsweise mit der Riester-Rente oder über den Chef mit einer betrieblichen Altersversorgung . Hier lohnen sich die staatlichen Förderungen.
Wer es lieber flexibel und unabhängig mag, sollte eine private Altersvorsorge abschließen. Diese passt sich den Lebensphasen an und ist deshalb auch schon für junge Leute geeignet. Beiträge können beispielsweise reduziert oder sogar ausgesetzt werden. Erst im Alter muss man sich entscheiden, ob man lieber eine große Summe cash auf die Hand für eine Weltreise ausgezahlt bekommt oder seine monatliche Rente erhöht.
Ein 30-jähriger Mann schließt eine fondsgebundene Rentenversicherung mit einer Monatszahlung von 100 Euro inklusive erhöhtem Todesfallschutz sowie zehn Jahre Rentengarantiezeit ab. Mit 50 erbt er Geld und bringt 20.000 Euro als Sonderzahlung ein. Zehn Jahre später will er eine Kreuzfahrt machen und lässt sich eine Summe von 10.000 Euro auszahlen. Mit 67 Jahren erhält er bei einer jährlichen Wertentwicklung von acht Prozent eine mögliche Rente von 1.017 Euro. Ohne Teilauszahlung bekäme er sogar eine Rente von rund 1.085 Euro.