
Auch wenn Gebrechen und Alter für 30- bis 40-Jährige weit weg erscheinen, kann sich gerade für sie der Abschluss einer
privaten Pflegeversicherung
lohnen. Denn in jungen Jahren sind diese Versicherungen spürbar günstiger als bei einem Abschluss im höheren Alter. Um den richtigen Vertrag aus der Vielzahl der Angebote auszuwählen, ist es erforderlich, sich frühzeitig über die eigenen Erwartungen an die Pflege im Alter Gedanken zu machen.
Experten prognostizieren bis zum Jahr 2050 eine starke Zunahme von Pflegebedürftigen in Deutschland. Rund 4,7 Millionen Menschen werden auf die Hilfe anderer angewiesen sein. Der Staat kommt längst nichtfür alle Kosten im Alter auf.
"Das Hauptmerkmal bei der gesetzlichen Pflegeversicherung ist, dass die Pflegekosten nur bis zu einem bestimmten Betrag übernommen werden", erklärt Kai Kirchner von der Verbraucherzentrale Thüringen in Erfurt. Um die zusätzlichen Kosten im Alter nicht selbst tragen zu müssen, könne eine private Zusatzversicherung sinnvoll sein.
Bei einem Abschluss sind zwei Formen möglich: Zum einen die Pflegekostenversicherung , zum anderen die Tagegeldversicherung . Erstere erstattet die Aufwendungen für Pflegeleistungen, erklärt Kirchner. Wichtig dabei ist: Die Leistungen müssen jeweils durch Rechnungen nachgewiesen werden. Bei einer Pflege durch Angehörige gibt es keine oder nur geringe Zahlungen. Dagegen prüfen die Tagegeldversicherungen lediglich, ob überhaupt Pflegebedürftigkeit vorliegt. "In der Regel ist diese Variante daher die günstigere, weil der Betroffene nicht im einzelnen die entstandenen Pflegekosten nachweisen muss, sondern ein festes Tagegeld erhält."
Die entscheidende Frage bei der Vorauswahl lautet: "Was brauche und erwarte ich im Alter?" Zudem muss geklärt werden, ob es Angehörige gibt, die für ihre Pflegeleistungen entlohnt werden sollen? "Die meisten ziehen es vor, solange wie möglich in der gewohnten Umgebung zu bleiben", sagt Julia Nill von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Daher ist es wichtig, dass die Versicherung notwendige Umbauten finanziert."
Jede
Pflegeversicherung
bietet andere Leistungen an. "Diese sollten mit den eigenen Bedürfnissen verglichen werden. Meistens bleiben dann nur zwei oder drei Versicherungen übrig", rät Nill. In diesem Fall sollte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis entscheiden.
"Es gibt im Detail viele Unterschiede", ergänzt Kirchner. Besonders empfehlenswert sei der Abschluss eines Vertrages, der Leistungen ab Pflegestufe eins vorsieht, da damit auch die anderen beiden Stufen zwei und drei automatisch abgedeckt sind. "Günstig ist auch, wenn die Versicherung Leistungen zum Ausgleich von allgemeinen Kostensteigerungen ohne weitere Gesundheitsprüfung erhöht."
Beachtet werden sollte, dass der Versicherer Zuschläge für Krankheiten verlangen oder Antragsteller wegen Vorerkrankungen ablehnen kann, wie die Stiftung Warentest in Berlin in ihrem Heft "Finanztest" erklärt. Außerdem erhielten Interessenten mit 63 Jahren bei manchen Gesellschaften gar keinen Vertrag mehr, bei anderen müssen sie hohe Monatsbeiträge investieren. Eine rechtzeitige Vorsorge kann sich daher auszahlen. "Je später man eine
private Pflegeversicherung
abschließt, desto teurer wird es", sagt Nill.
Quelle: dpa/gms